Das deutsch-russische Online-Projekt

zwischen der Staatlichen Berufsschule Neustadt a.d. Aisch und unserer Partnerschule in Russland, dem „Uraler College für Technologie und Unternehmertum“, in Jekaterinburg

Das digitale Projekt fand am 05./06./08.10.2021 und 11.11.2021 statt. (Zum Artikel in der FLZ bitte hier klicken!)

Bild 5Gruppenbild der Auszubildenden nach Übergabe der Teilnehmerbestätigungen. Herr Schmidt und Herr Hildebrandt (verantwortliche Kfz-Lehrkräfte) flankieren die Auszubildenden.


Aus aktuellem Anlass stellen wir unseren nachfolgenden Informationen zu diesem Online-Projekt die Erklärung von einem unserer Projektpartner, der Eberhard-Schöck-Stiftung aus Baden-Baden, die sich seit 1992 für die Aussöhnung und Verständigung mit den Ländern Mittel- und Osteuropas durch die Möglichkeit des Jugendaustausches einsetzt, vorweg. Die Schulleitung der Staatlichen Berufsschule Neustadt a. d. Aisch schließt sich dieser Erklärung mit großer Überzeugung an.

„Liebe Kollegen, Partner und Freunde,

seit über 25 Jahren engagieren wir uns für die Verständigung mit den Ländern in Osteuropa und arbeiten eng und vertrauensvoll mit den Menschen in Russland und der Ukraine zusammen. Mit unseren Partnerländern verbinden uns nicht nur Arbeitskontakte, sondern auch über die Jahre gewachsene Freundschaften. Gemeinsam haben wir vieles für die Annäherung unserer Länder und die beruflichen Perspektiven junger Menschen erreicht. Der Krieg gegen die Ukraine und das menschliche Leid machen uns tief betroffen und fassungslos. Die aktuelle Entwicklung war für uns unvorstellbar. Sie stellt eine tiefe Zäsur dar, die uns lange beschäftigen wird.

Und dennoch: Gerade jetzt ist die Völkerverständigung notwendiger denn je. Im Rahmen unserer Möglichkeiten wollen wir den Kontakt zu unseren Partnern halten und wir hoffen, dass wir zu einer Zusammenarbeit zurückkehren können. Bis dahin bleiben wir weiterhin jederzeit für Sie ansprechbar.

Ihre Eberhard-Schöck-Stiftung

Peter Möller, Kristin Bischoff, Katharina Geißendörfer, Marcel Blessing-Shumilin“



Wie erfolgte die Vorbereitung des Projekts?

Die Auszubildenden wurden bereits zum Ende des vergangenen Schuljahres 2020/21 in ihrer Unterrichtszeit sowohl von den Kollegen*innen als auch von der Schulleitung über die Inhalte und die Intention dieses ersten deutsch-russischen Online-Schülerprojekts informiert und für eine Teilnahme motiviert. Im Schuljahr 2021/22 wurden die Auszubildenden dann – im Rahmen des fachlichen und auch allgemeinbildenden Unterrichts – durch die Fachkollegen gezielt auf die fachlichen Projektinhalte vorbereitet und durch die Kolleginnen, die die Fächer Deutsch und PuG unterrichten, mit den kulturellen sowie kommunikativen Voraussetzungen vertraut gemacht.


Wie bereiteten sich die Jugendlichen auf die Maßnahme vor?

Auf den fachlichen Projektablauf haben die Auszubildenden/Studierenden nur einen geringen Einfluss genommen, da dieser von den Fachkollegen unter Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort in enger Abstimmung mit den russischen Kollegen konzipiert wurde. In die Ausführung der gemeinsamen Aktionen während des Projekts waren die Auszubildenden/Studierenden aber intensiv eingebunden.

Damit sich die Jugendlichen bereits vor dem Beginn des Online-Projekts kennenlernen konnten, haben wir ein Padlet erstellt und gemeinsam mit unseren russischen Kollegen Orientierungsfragen für die Auszubildenden und Studierenden vorbereitet. Das Padlet wurde eine Woche vor Beginn des offiziellen Starts für die Bearbeitung freigeschaltet. Die Jugendlichen – und auch die Fachkollegen und das Leitungspersonal – machten regen Gebrauch von dieser Form der „Kontaktaufnahme“. Ein erster erfolgreicher Schritt in dieser Online-Begegnung war damit gemacht.


Welche inhaltlichen Ziele wurden/werden mit der Maßnahme verfolgt?

Die Lernziele, die über die Projektarbeiten aus dem Fachbereich der Kfz-Mechatroniker abgedeckt wurden, sind sowohl im Lehrplan für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker als auch in den Ausbildungsvorgaben der russischen Schüler explizit aufgeführt.

Die Arbeitsmethoden wurden so gewählt, dass sich die beiden Gruppen sowohl gemeinsam und in voller Klassenstärke als auch jeweils drei deutsche Auszubildende und drei russische Studierende in gemischten Zweier-Teams digital austauschen und gemeinsam in Partnerarbeit die Arbeitsaufträge/Problemstellungen bearbeiten bzw. lösen konnten. Dadurch haben wir den persönlichen Kontakt – über eine berufsspezifische Aufgabenstellung – nochmals deutlich intensivieren können. Zu einer zusätzlichen Verstärkung des gemeinsamen Arbeitens kam es, da die Vorstellung der Arbeitsergebnisse durch die Auszubildenden und Studierenden im Plenum unter Zuhilfenahme digitaler Medien vorgenommen wurde.

Fazit: Die Auszubildenden und auch Studierenden haben über die erste digitale Kontaktaufnahme (Informationen über Padlet) sehr schnell zueinander gefunden. Nach dem ersten Onlinetag wurde die Kontaktaufnahme über soziale Medien (WhatsApp, ... ) im Persönlichen weiter intensiviert. Zudem wurde die Zusammenarbeit über die DINA-Plattform erfolgreich bewältigt. Die Auszubildenden und auch die Studierenden konnten ihre medialen Kompetenzen sinnvoll einbringen und zusätzlich erweitern.

Es war ein tolles Gefühl, dass es uns - durch intensives und gemeinsames Arbeiten - wirklich so gut gelang, Auszubildende und Studierende über eine digitale Plattform gemeinsam und auch konstruktiv an sprachlichen und berufsfachlichen Aufgabenstellungen arbeiten zu lassen.


Wie wurde eine intensive Begegnung der Jugendlichen ermöglicht?

1. Durch die Nutzung von Padlet. Vorab wurden "Steckbriefe" durch die teilnehmenden Auszubildenden und Studierenden erstellt.

2. Die angebotenen und von den Lehrkräften entwickelten Kommunikationsspiele haben den direkten Kontakt maßgeblich gefördert.

3. Die Jugendlichen haben aktiv an der Gestaltung der einzelnen Projekttage mitgewirkt; dadurch ergaben sich viele Anregungen für einen weiteren Austausch.

4. Eine ausgezeichnete Kommunikation wurde über eine 1:1-Simultanübersetzung gewährleistet. Das war die Grundlage für den intensiven Austausch.

5. Während des Projekts wurde großen Wert darauf gelegt, dass Auszubildende und Studierende die einzelnen Übungen und auch Aufgaben vorstellen.

6. Während der fachlichen Projektphase wurden jeweils drei gemischte Teams gebildet, die in "geschlossenen" digitalen Räumen - mit Unterstützung der Simultan-Übersetzer - gemeinsam an einer fachlichen Lösung gearbeitet haben.


Was war das Besondere an dem Projekt? Gab es aus Sicht der Projektleitungsperson ein Highlight oder herausragende Erlebnisse?

Das ganze Projekt war für alle Beteiligten ein sehr großes Highlight! Zwei Bildungseinrichtungen haben einen sprachlichen, kulturellen und vor allem auch fachlichen Online-Austausch über vier Tage umsetzen können, der sich u. E. sowohl in seiner technischen als auch personellen Umsetzung in einer Qualität darstellte, die alle Beteiligten sehr stolz machte! Maßgeblich zum Erfolg trugen sowohl die sehr engagierten Auszubildenden und russischen Studierenden als auch die Lehrkräfte bei, die sich – über das Unterrichtliche hinaus – hoch motiviert und mit viel Herzblut und auch Herzenswärme in dieses Online-Projekt eingebracht haben.


Wie beurteilten die Teilnehmenden die Maßnahme?

Über eine Karten-Abfrage zum Ende des Projekts gab eine sehr positive Rückmeldung. Einzelne Statements der Auszubildenden und auch der Studierenden haben gezeigt, dass wir mit diesem digitalen Projekt einen großen Schritt in eine gemeinsame Projekt-Zukunft gegangen sind und ein gutes Fundament für die weitere Zusammenarbeit legen konnten.


Sind weitere Maßnahmen geplant? Wenn ja, welche?

Wir haben die Auszubildenden und Studierenden so ausgewählt, dass im nächsten Schuljahr 2022/23 ein Präsenzaustausch möglich wäre. Dies ist eigentlich unsere Motivation und auch Zielsetzung. Ob die weitere Entwicklung der politischen Verhältnisse (Ukraine-Russland-Problematik) aber einen Verlauf nimmt, der diesen Versuch stützt oder erschwert, ist derzeit nicht abzusehen.

 
Mit wem haben Sie bei der organisatorischen und auch finanziellen Abwicklung des Projekts zusammengearbeitet?

Sowohl finanziell auch als auch organisatorisch stand uns als erster Ansprechpartner die Stiftung „Deutsch-Russischer Jugendaustausch“ aus Hamburg zur Seite. Die Stiftung half dabei, dass wir uns in der Vorbereitung in das mächtige Online-Programmtool „DINA International“ einarbeiten konnten. Während des Projekts stand uns ein sehr kompetenter Mitarbeiter zur Verfügung, der uns bei technischen Problemen sofort unterstützte. Zudem übernahm die Stiftung einen Großteil der Finanzierung, gerade was die Kosten für die professionelle Simultanübersetzung betraf.

Als zweiter wichtiger Partner unterstützte uns die Eberhard-Scköck-Stiftung aus Baden-Baden. Als Kenner der schulischen und auch administrativen Verhältnisse in Russland konnte uns die Stiftung in der Vorbereitung immer wieder – in intensiven Abstimmungsgesprächen – ausgezeichnete Hilfestellung leisten. Zudem unterstütze die Eberhard-Schöck-Stiftung dieses Projekt finanziell.

Als dritter – und nicht weniger wichtiger! – Partner stand uns mit Rat und finanzieller Unterstützung der Bayerische Jugendring zur Seite.

Ohne diese die Partner, die uns im Organisatorischen und auch Finanziellen begleiteten, wäre ein Umsetzung dieses Online-Projekts nicht denkbar gewesen.    


Welche Bedeutung hat die Schulpartnerschaft für Ihre Schule?

Eine sehr große! Aufgrund der beiden bereits durchgeführten Präsenzbegegnungen, die über das Fachliche hinaus zwischen den Beteiligten haben Freundschaften entstehen lassen, sind allen Beteiligten sehr motiviert, durch ein hohes Maß an persönlichem Engagement weitere Präsenzprojekte zu initiieren. Der sprachliche, der kulturelle und vor allem auch der fachliche Austausch haben die Jugendlichen aus verschiedenen Ländern sehr nah und auch eine freundschaftliche Art und Weise zusammengeführt.

 

Bettina Scheckel              und        Michael Görs
Schulleiterin                                                      Stellvertretender Schulleiter